Der blinde Fleck
Ein Chat beantwortet, was Sie ihm geben. Er sagt Ihnen nichts über das, was Sie ihm nicht gegeben haben.
Der Vorgang, der später Geld kostet, liegt im Posteingang, weil ihn niemand für einen Fall gehalten hat. Er wird deshalb auch keinem Chat vorgelegt. Ein Werkzeug, das nur auf Zuruf arbeitet, kann die Lücke nicht schließen, die gerade daraus entsteht, dass niemand ruft.
Alles Weitere setzt voraus, dass der Text überhaupt vorgelegt wurde. Auch dann bleiben drei Unterschiede.
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Drei Unterschiede in der Bauart
Quelle statt Gedächtnis
Jede rechtliche Aussage wird nachgeschlagen: in über 100.000 Normen im Volltext und über 120.000 Gerichtsentscheidungen, darunter die vollständige Rechtsprechung der deutschen Bundesgerichte. An jeder Aussage steht die Fundstelle; was sich nicht belegen lässt, wird als ungeprüft gekennzeichnet.
Ein freies Sprachmodell formuliert den Paragrafen dagegen aus dem Gedächtnis. Eine Untersuchung der Stanford University maß bei konkreten Rechtsfragen je nach Modell 58 bis 88 Prozent erfundene Fundstellen. Unangenehm ist daran nicht der Fehler, sondern dass man ihn dem Text nicht ansieht.
Methode statt freier Antwort
Vor dem Modell steht ein Fachassistent für das jeweilige Rechtsgebiet. Er führt es Punkt für Punkt durch ein Prüfungsschema: Anspruchsgrundlage, Voraussetzungen, Einwendungen, Rechtsfolge. Über 160 solcher Schemata gibt es, in elf Rechtsgebieten — und im Ergebnis steht, nach welchem geprüft wurde.
Ein Chat antwortet auf die Frage, die Sie gestellt haben. Ein Schema arbeitet auch die Punkte ab, nach denen Sie nicht gefragt haben.
Akte statt Chatverlauf
Jede Antwort hängt an einem Fall, einem Vertrag oder einer Forderung — versioniert, zugriffsgeschützt, durchsuchbar. Wer den Vorgang später übernimmt, sieht dieselbe Akte und nicht das Fenster von jemandem, der nicht mehr im Unternehmen ist.
Aus einem Chatverlauf lässt sich ein halbes Jahr später nicht mehr belegen, welche Fassung hinausgegangen ist und worauf sie sich stützte.
Wofür ein Chat trotzdem taugt
Für eine Formulierung, eine Zusammenfassung, eine erste Orientierung ist ein allgemeines Sprachmodell ein gutes Werkzeug, und wir raten niemandem davon ab. Wir bauen selbst auf Sprachmodellen auf.
Der Unterschied beginnt dort, wo aus einer Frage ein Vorgang wird: wo eine Frist läuft, wo eine Aussage belegt sein muss, wo etwas nach außen geht und wo später jemand nachvollziehen können soll, wie es dazu kam.
Ein Chat beantwortet Fragen. Eine Rechtsabteilung führt Vorgänge.